Trauerrede der Oberbürgermeisterin zum Abschied von Frau Minna Finsterwalder

Trauerworte der Oberbürgermeisterin der Stadt Rosenheim, Frau Gabriele Bauer, zum Abschied von Frau Minna Finsterwalder. 

Wir nehmen heute Abschied von Philomena Finsterwalder. Für uns alle war sie die Minna. Es sagt viel über eine Frau und ihr Wirken aus, wenn mit ihr und über sie nur mit ihrem Kosenamen gesprochen wird. Im Namen der Stadt Rosenheim und des Stadtrats möchte ich Ihnen, liebe Familie Finsterwalder, unser herzliches Beileid aussprechen. Für uns Menschen gibt es keine schwereren Stunden als diese unendlich und untragbar scheinende Zeit des Abschieds. Wir stehen am Grab einer Frau, die wir über viele Jahre hinweg gekannt, respektiert und gemocht haben. Und wir wissen: Der gemeinsame Lebensweg ist jetzt unwiderruflich zu Ende. Sie wurde uns genommen. Sie fehlt. Für jeden von uns hat Minna Finsterwalder als Mensch andere Spuren hinterlassen. Jeder von uns, die wir heute an ihrem Grab versammelt sind, hat sie anders gekannt. Ihr Ehemann Hansjörg, ihre drei Kinder Hannes, Rupert und Margret sowie ihre fünf Enkel als liebevolle, aufopfernde Ehefrau, Mutter und Großmutter. Ihre ehemaligen Kollegen und Schüler als fordernde, aber immer auch motivierende Lehrerin. Die Mitglieder des Katholischen Frauenbundes und des Jakobus-Hospizvereins sowie die Caritas Sozialstation als tatkräftige, unermüdliche ehrenamtliche Helferin und Organisatorin. Ihre politischen Weggefährten in Rosenheim kannten Minna Finsterwalder als sachkundige und begeisterte Politikerin. In den sechziger Jahren war das noch etwas wirklich Besonderes. Für sie war politische Mitwirkung und Mitgestaltung im demokratischen Gemeinwesen als Frau aber eigentlich selbstverständlich. Sie fühlte sich nie als Vorkämpferin für die Emanzipation. Und dennoch war sie es: Souverän, charmant und völlig unaufgeregt. Das machte sie als Ansprechpartnerin so gesucht, als Ratgeberin so verlässlich und als Freundin so wertvoll. In all ihren Funktionen war ihr Eines besonders wichtig: eine werteorientierte, friedliche Welt mit Subsidiarität und Solidarität als den sozialen Eckpfeilern. Ich erlebte Minna Finsterwalder in ihrer Tätigkeit im Stadtrat, dem sie von 1972 bis 1996 angehörte, nicht mehr persönlich. Ich weiß aber aus vielen Begegnungen mit dieser lebensklugen Frau, dass ihr besonderes Interesse im Stadtrat und in den Ausschüssen der sozialen Weiterentwicklung ihrer Heimatstadt Rosenheim galt. In den 24 Jahren ihrer Stadtratstätigkeit lag ihr Schwerpunkt in den Themengebieten Schule, Kultur, Sport, Jugend und Soziales. Auch unser städtisches Personal war stets im Fokus ihres Interesses. Minna Finsterwalder war nie laut. Dennoch wurde sie immer gehört. Denn ihre Anregungen waren in der Sache wertvoll und im Zwischenmenschlichen stets von Herzenswärme geprägt. Was uns verband war die Liebe zu dieser Stadt und ein tiefes Gefühl der Verantwortung für unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger, vor allem für diejenigen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Ich erinnere mich an viele Gespräche mit Minna Finsterwalder, als es ihr noch gut ging. Wir waren uns einig, dass wir dankbar für ein Leben in Frieden und einem gewissen Wohlstand sein dürfen und den Menschen, denen es nicht so gut geht, etwas davon abgeben wollen – Zeit für Gespräche, organisatorische Hilfe, einfach da sein. Als Oberbürgermeisterin der Stadt Rosenheim zolle ich Minna Finsterwalder persönlich und im Namen des Stadtrates und der Bürgerschaft Dankbarkeit und Respekt. Wenn wir sie auch aus unterschiedlicher Perspektive und in unterschiedlicher Funktion kannten: Heute eint uns die Trauer um diese Frau. Denn sie war für uns alle bedeutsam. Sie war ein außergewöhnlicher Mensch. Und uns verbindet heute am Grab die Hoffnung auf gemeinsamen Trost im christlichen Glauben in dieser Stunde des Abschieds. Trost kann auch das Wissen spenden, dass mit Minna Finsterwalders Tod ein erfülltes Leben zu Ende gegangen ist, gewidmet der Sorge um ihre Familie und der Arbeit für das Gemeinwesen. In Stunden wie diesen wird uns bewusst, was es bedeutet, dass es im Leben für alles eine Zeit gibt: Eine Zeit der Freude, der Stille, der Trauer und eine Zeit der dankbaren Erinnerung. Die dankbare Erinnerung, dass wir Minna Finsterwalder kennen und ein Stück des Wegs mit ihr gemeinsam gehen durften, kann uns keiner nehmen. Sie dauert über den Tod hinaus. In dieser Erinnerung bleibt sie bei uns. Liebe Minna, leb wohl.   Frei ab Beginn der Rede. Es gilt das gesprochene Wort.