Rede der Oberbürgermeisterin bei der Verleihung des Wirtschaftspreises der Stadt Rosenheim

Sehr geehrte Preisträger, sehr geehrte Laudatoren, liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem Rosenheimer Stadtrat, meine Damen und Herren, 

ich freue mich sehr, Sie heute zur Verleihung des Wirtschaftspreises der Stadt Rosenheim 2017 begrüßen zu können. Am heutigen Abend vergibt die Stadt Rosenheim zum siebten Mal ihren Wirtschaftspreis. Mit ihm würdigen wir alle zwei Jahre Unternehmen und Unternehmerpersönlichkeiten, die herausragende Leistungen für den Wirtschaftsstandort Rosenheim erbracht haben.

Sie wissen, in einem demokratisch gewählten Parlament ist Einstimmigkeit etwas Besonderes. Deshalb möchte ich es extra betonen:

Der Rosenheimer Stadtrat hat aus den eingereichten Vorschlägen einstimmig drei Unternehmen ausgewählt. Ein solcher einstimmiger Beschluss zeugt von der Qualität unserer diesjährigen Preisträger. Ich gratuliere herzlich der Flötzinger Brauerei GmbH & Co. KG , der Grossmann Bau GmbH & Co. KG und der Tsubis GmbH. In der Begründung des Stadtrates zur Vergabeentscheidung heißt es: „Die Preisträger haben sich in hohem Maße um den Wirtschaftsstandort Rosenheim verdient gemacht. Sie prägen seit vielen Jahren die Marke Rosenheim durch ihre wirtschaftlichen Leistungen und tragen den Ruf der Stadt Rosenheim als wirtschaftsstarker Standort weit über die Grenzen der Region hinaus. Ihr Name und ihr Engagement sind eng mit Rosenheim verbunden“ – Zitat Ende.

Lassen Sie mich auf die ausgewählten Unternehmen und die Gründe für diese Vergabeentscheidung in der gebotenen Kürze eingehen.

Was läge näher als zum Lutherjahr 2017 den großen Theologen, der alles andere als ein Kostverächter war, zu Wort kommen zu lassen? „Ich habe den ersten Bierbrauer oft verwünscht. Es wird mit dem Brauen so viel Gerste verderbt, dass man davon ganz Deutschland möchte erhalten“.

Dieses Zitat ist ein paar Jahrzehnte älter als unser erster Preisträger, die Flötzinger-Brauerei. Hätte Luther das Flötzinger-Bier und die dahinter stehende hohe Qualität des Bierbrauens noch persönlich gekannt, wäre ein solcher Spruch niemals über seine Lippen gekommen. Wir verwünschen unsere Rosenheimer Bierbrauer nicht. Im Gegenteil: Die Braukunst ist ein wesentlicher Bestandteil unserer bayerischen Lebensart. Und die Flötzinger Brauerei, an ihrer Spitze die Familie Steegmüller mit Herrn Franz Steegmüller, ist ein prägender Teil unserer Stadt, und das bereits seit über 470 Jahren. Diese Verbundenheit erkennt jeder der mit offenen Augen durch Rosenheim streift. Die in der Innenstadt befindliche Brauerei, Brauereigaststätten wie Stockhammer, das neurenovierte Stammhaus in der Kaiserstraße mit seinem prächtigen Aushängeschild, das Bräustüberl oder die Fischkuchl prägen das Stadtbild und werden von der Familie Steegmüller mit viel Liebe und hohem finanziellen Einsatz in ihrer Schönheit erhalten. Keinesfalls fehlen darf in dieser illustren Aufzählung das Flötzinger Festzelt auf dem Herbstfest. Es verleiht unserer „Wiesn“ einen einzigartigen Charme. Bier gehört zur bayerischen Tradition und Flötzinger gehört zu Rosenheim, da sind wir uns, denke ich, alle einig. Dass sich das Unternehmen in den letzten Jahren gegenüber den großen Industriebrauereien hat behaupten können, liegt an dem unternehmerischen Geschick der Familie Steegmüller. Innovative Produkte, Investitionen in kreative Gastronomiekonzepte, neue Absatzwege und ein hohes Qualitätsniveau haben zu der heutigen positiven Unternehmensentwicklung geführt.

Die Flötzinger Brauerei GmbH & Co. KG ist eines dieser leistungsstarken familiengeführten Unternehmen, die aus Rosenheim nicht wegzudenken sind. Mit diesem Unternehmen ehren wir heute eine über 470 jährige Verbundenheit mit der Stadt und dem Standort Rosenheim. Und wir ehren auch das Lebenswerk von Franz Steegmüller, der vor 55 Jahren das Erbe seines Vaters angetreten und als Patron einer Firmendynastie die Brauerei zu ihrem heutigen Erfolg geführt hat. Wenn wir über Bier reden ist es ausnahmsweise erlaubt, ein zweites Zitat zu verwenden. Es stammt von einem großen amerikanischen Staatsmann, Benjamin Franklin: „Bier ist der überzeugendste Beweis dafür, dass Gott den Menschen liebt und ihn glücklich sehen will“. Dem ist nichts hinzuzufügen. Für dieses Glück stehen die Flötzinger-Biere. Sehr geehrter Herr Steegmüller, lieber Franz: Zur Verleihung des Wirtschaftspreises für 2017 der Stadt Rosenheim gratuliere ich Dir von ganzem Herzen.

 

Fast 500 Jahre Firmengeschichte sind natürlich kaum zu überbieten. Dennoch ist der nächste Preisträger diesem Ziel auf der Spur.

Die 110-jährige Unternehmensgeschichte zeugt in der heutigen Zeit von bemerkenswerter Kontinuität und einem über Generationen vererbten unternehmerischen Geschick. Grossmann Bau GmbH & Co. KG – seit über einem Jahrhundert ist dieses familiengeführte Unternehmen ein prägender Baustein des Rosenheimer Wirtschaftsgeschehens. Herausragende Unternehmerpersönlichkeiten und ein engagierter Mitarbeiterstamm haben diese Firma dahin geführt, wo sie heute steht – nämlich an die technologische Spitze der bayerischen und deutschen Bauunternehmen. Wir werten es mal als eine merkwürdige Fügung des Schicksals, dass diese Erfolgsgeschichte 1907 zunächst im benachbarten Vogtareuth begann. Aber bereits 1920 ging es dann nach Rosenheim. Ein Zeichen dafür, dass auch schon zu dieser Zeit unsere Stadt ein Magnet für Betriebsansiedlungen war und die Standortvorteile Rosenheims von vorausschauenden klugen Köpfen geschätzt wurden.

In den folgenden Jahren trug die Firma Grossmann mit ihrem Können, ihrem Engagement, ihrer Vielseitigkeit und innovativen Ideen dazu bei, den Wirtschaftsstandort Rosenheim weiter zu stärken. Dafür danke ich dem Unternehmen, aber vor allem auch der Unternehmerfamilie ganz herzlich.

Und wenn, wie gerade angesprochen, eine Brauerei mit ihren Gebäuden das Bild der Stadt Rosenheim prägt, dann gilt das für die Grossmann Bau GmbH in gleicher Weise. Mit herausragenden Bauten nicht nur in Rosenheim, sondern auch in München, dem gesamten südbayerischen Raum, aber auch bei der Weltausstellung in Hannover mit dem berühmten Wal z.B. ist es gelungen, Referenzprojekte zu schaffen, die den Namen Rosenheim auch national und international als Qualitätsstandort für herausragende unternehmerische Leistungen und hochwertige Produkte bekannt gemacht haben.

Darüber hinaus heißt es in der Auswahlbegründung des Stadtrates: “Das Unternehmen hat sich um die Wirtschaft in Rosenheim besonders verdient gemacht und ist ein Aushängeschild der Stadt Rosenheim.“

Sehr geehrte Frau Großmann-Bönisch, liebe Ursula, sehr geehrte Frau Gabriele Großmann-Franek: Auch für Sie habe ich ein Zitat ausgegraben. Es stammt von der ehemaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher. Hier anwesende Männer mögen es vielleicht nicht ganz so gerne hören: „Wenn Sie in der Politik etwas gesagt haben wollen, wenden Sie sich an einen Mann. Wenn Sie etwas getan haben wollen, wenden Sie sich an eine Frau.“

Ich bin sicher, lieber Herr Dr. Franek, dass Sie als geschäftsführender Gesellschafter hier für den notwendigen Ausgleich im Sinne des Genderings sorgen.Liebe Familie Großmann: Ganz herzlichen Glückwunsch zur Verleihung des Wirtschaftspreises 2017 der Stadt Rosenheim.

 

Damit komme ich zum dritten Preisträger:

Mit der Tsubis GmbH ehren wir am heutigen Abend ein inhabergeführtes, mittelständisches Unternehmen, das im Gegensatz zu den vorherigen Preisträgern eher zu den verborgenen Schätzen in Rosenheims Unternehmerlandschaft gehört.

Monitore und Systemtechnik für Industrie und Gewerbe, das ist die Welt dieses technologieorientierten „Hidden Champions“. Ein mittelständisches roduktionsunternehmen, das als Botschafter unserer Stadt den Namen Rosenheim in die Welt hinausträgt und dabei für höchste Qualitätsansprüche steht – was will ein Wirtschaftsstandort mehr?

Als gebürtiger Grieche gründete Aristotelis Tsoubis das Unternehmen 1995 an den Standorten Rosenheim und Sauerlach. Schrittweise hat er in den vergangenen 12 Jahren den europäischen Wirtschaftsraum sowie die internationalen Märkte erschlossen.

Mit technologisch ausgefeilten Problemlösungen in Kleinserie oder auch als Einzelfertigungen hat sich das Unternehmen ein Qualitätsmerkmal geschaffen, mit dem es sich von den Serienproduktionen auch aus dem asiatischen Raum unterscheidet.

Aristotelis Tsoubis selber beschreibt seine Unternehmensphilosophie mit den Worten:

„Wir sind multikulturell und wir sind weltweit ausgerichtet“. Das Unternehmen ist ein Musterbeispiel für die positiven Wirkungen des europäischen Binnenmarktes und der europäischen Grundfreiheiten. Es tut Not gerade in diesen Tagen eines nicht nur in den USA um sich greifenden Protektionismus solche Prinzipien in Erinnerung zu rufen.

Die Tsubis GmbH hat speziell ein Herz für Jugendliche mit schwierigen Startbedingungen. Fortlaufend werden drei bis vier Auszubildende im kaufmännischen sowie im technischen Bereich eingestellt. Bei einer Zahl von rund 20 Mitarbeitern ist dies eine beachtenswerte Quote. Die Tsubis GmbH macht sich damit um die Integration junger Menschen auf dem Arbeitsmarkt in besonderer Weise verdient.

Sehr geehrter Herr Tsoubis, spätestens mit der Verleihung des heutigen Wirtschaftspreis 2017 an Ihr Unternehmen sind Sie und Ihre Mitarbeiter heute in der Mitte der Rosenheimer Stadtgesellschaft angekommen.

 

Ich gratuliere Ihnen ganz herzlich zum Wirtschaftspreis 2017.