Rede der Oberbürgermeisterin beim SUR-Wohnungsbau-Symposium

Sehr geehrte Damen und Herren,

„Wenn Spinnen vereint weben, können Sie einen Löwen fesseln!“

Keine Angst, so gefährlich wird es heute nicht werden. Doch steckt in dieser Lebensweisheit aus Äthiopien sehr viel Kraft. Sie will uns deutlich machen was alles möglich ist, wenn man es gemeinsam zu tut. In diesem Sinne begrüße ich Sie herzlich in Rosenheim zum Treffen des Stadt- und Umlandbereichs Rosenheim, bei dem auch erstmals die Gemeinde-, Marktgemeinde- und Stadträte der einzelnen SUR-Kommunen zusammen kommen. Ich danke Ihnen allen für Ihr Kommen, denn es zeigt Ihr Interesse an der Region und Ihr Interesse an einer Zusammenarbeit in und für die Region. Und was gut ist für die Region, ist auch gut für die einzelne Kommune innerhalb der SUR.

Die zwölf SUR-Gemeinden stehen mit ihren inzwischen rund 175.000 Einwohnern und ihrer prosperierenden Wirtschaft hervorragend da. Es ist schön, in einer so wohl geordneten Region leben und arbeiten zu können und diesen Raum politisch zu gestalten. Viele hochwertige Arbeitsplätze, dynamische Unternehmen, bestens geordnete Kommunalverwaltungen und Behörden, hoher Wohn- und Freizeitwert, intakte Landschaften und Naturräume von besonderer Qualität, zentral, in der Mitte Europas: Um das alles beneiden uns viele Menschen.

Diesen Lebensstandard und diese Qualität gilt es für die Zukunft zu sichern. Sowohl die Metropolregion München als auch unsere Region Rosenheim sind einem Entwicklungsdruck ausgesetzt, der letztlich unaufhaltsam ist: Seit Jahrzehnten wächst die Bevölkerung in der Metropolregion München annähernd linear. Innerhalb der nächsten 20 Jahre werden weitere 400.000 Menschen nach München und Umgebung zuziehen. Dieser Bevölkerungsdruck wird sich konzentrisch in die Metropolregion München hinein ausbreiten – ob uns das passt oder nicht. Passen wir uns aber dieser Entwicklung nicht an, reichen die verfügbaren Wohnungen nicht mehr aus, steigen die Mietpreise, wird das Angebot an Wohnraum geringer.

Dann werden uns auch Infrastruktureinrichtungen wie Kindertagesstätten und Schulen fehlen, ebenso wie Straßen, Wege und Bahnlinien den künftigen Anforderungen einer derart wachsenden Metropolregion absehbar nicht mehr genügen werden. Es ist gut und wichtig, dass unsere Wirtschaft wächst. Das sichert unseren Lebensstandard. Zugleich ist es wichtig, gewachsene Natur- und Landschaftsräume zu erhalten und durch eine funktionsbezogene Raumordnungspolitik abzusichern. Bloßes quantitatives Wachstum kann und darf unser Maßstab nicht sein.

Die Frage lautet: Wie schaffen wir qualitatives Wachstum? Und: Wie können wir diese Entwicklung im Sinne eines nachhaltigen Ausgleichs von Ökonomie und Ökologie beeinflussen? Von „Steuern“ sollten wir besser gar nicht sprechen, weil wir uns damit eine Beeinflussbarkeit anmaßen, von der ich nicht glaube, dass wir sie in einer freiheitlich verfassten Gesellschaft haben. Denn unser Grundgesetz und die europäischen Grundfreiheiten stellen es jedermann frei, sich dort anzusiedeln, wo er es für sich für richtig erachtet. Darum ist die heutige Veranstaltung ein wichtiger Baustein in der Entwicklung des Stadt- und Umlandbereichs Rosenheim. 

Es muss uns klar sein, dass jede Kommune für sich allein die Antworten und Lösungen nicht wird erarbeiten können. Wir brauchen den Verbund. Ich bin dankbar, dass wir schon seit 20 Jahren die SUR haben. Das Anwachsen auf mittlerweile 12 Mitglieder ist für mich ein klares Zeichen, dass wir alle erkannt haben: Große Herausforderungen brauchen einen großen Lösungsverbund. Die eine einzelne Kommune alleine kann und wird das nicht bewerkstelligen können. Wir mögen Auffassungsunterschiede bei dem einen oder anderen Thema haben. In gemeindlichen Nachbarschaften ist das nicht anders wie zwischen privaten Haushalten. Dennoch bleibt es uns auferlegt, die Zukunft gemeinsam und mit möglichst viel Konsens zu gestalten. Wohnen, Arbeiten und Naherholung müssen in ausgewogenen Teilräumen miteinander entwickelt werden. Natürliche Rückzugsräume sind ausgewiesen. Sie müssen geschützt und erhalten werden.

Solche programmatischen Sätze sind leicht gesagt. Die spannende Frage ist, wie wir diese Sätze als kommunale Entscheidungsträger vor Ort und in der Region umsetzen. Dabei sind wir mit einer noch nie dagewesenen Geschwindigkeit und Dynamik der technologischen, wirtschaftlichen, demografischen, sozialen und gesellschaftlichen Entwicklung konfrontiert. Die Komplexität und die verschiedenen Abhängigkeiten nehmen täglich zu. Für die Aufgabe, den gewaltigen Wachstumsdruck in der Region zu managen, gibt es keine Blaupause und keine Musterrezepte. Wir werden uns auf den Weg machen müssen und lernen - miteinander und voneinander. Dabei gilt es, die kommunale Selbstverwaltung zu wahren und gleichzeitig gemeinsam Verantwortung für die Region zu übernehmen.

Das mag zunächst wie ein Widerspruch klingen. Genau darin liegt aber unsere gemeinsame Verantwortung. Wir alle sind als kommunalpolitische Entscheidungsträger den Menschen in der Region Rosenheim verpflichtet. Wir sind verpflichtet, Antworten zu geben, wo wir uns zwischen diesen beiden Polen auf ein und derselben Achse gemeinsam verorten wollen. Lassen Sie uns - nicht nur im Rahmen dieses Symposiums - zuerst auf das Gemeinsame und Verbindende in der SUR schauen, bevor uns das Trennende vielleicht handlungsunfähig macht. Lassen Sie uns an win-win-Lösungen arbeiten und - sollte das nicht gelingen - lassen Sie uns zumindest fair und transparent nach Möglichkeiten des Ausgleichs suchen. Erst die Suche nach Möglichkeiten ermöglicht das Finden von Lösungen. Wir werden dabei einen langen Atem brauchen, unsere Einzelinteressen und unsere Gesamtverantwortung für die Region in Einklang und zum Ausgleich zu bringen.

Dann werden wir um Lösungen ringen und vielleicht auch Grenzen unseres Denkens verändern müssen. Aber das Ziel, unsere Region auch für nachfolgende Generationen so lebenswert zu erhalten wie sie heute ist, ist die gemeinsame Anstrengung allemal wert. Wir alle sollten uns angesprochen fühlen von einem Wort Mahatma Gandhis: „Ich will nicht nur an euern Verstand appellieren. Ich will eure Herzen gewinnen.“ Lassen Sie uns mit Herz und Verstand für die Region zusammenarbeiten!          

Herzlichen Dank!