Rede der Oberbürgermeisterin bei der Verleihung des Wirtschaftspreises am 12.02.2019

 Frei ab Beginn der Rede. Es gilt das gesprochene Wort.

 

Sehr geehrte Preisträger, sehr geehrte Laudatoren, liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem Rosenheimer Stadtrat, meine Damen und Herren,

ich freue mich sehr, Sie heute zur Verleihung des Wirtschaftspreises der Stadt Rosenheim 2019 begrüßen zu können. Die Stadt Rosenheim vergibt diesen Preis am heutigen Abend zum achten Mal. Damit würdigen wir alle zwei Jahre Unternehmen und Unternehmerpersönlichkeiten, die herausragende Leistungen für den Wirtschaftsstandort Rosenheim erbracht haben.

In einem demokratisch gewählten Parlament – in einem Kommunalparlament zumal - ist Einstimmigkeit etwas Besonderes. Deshalb möchte ich es extra betonen: Der Rosenheimer Stadtrat hat aus den eingereichten Vorschlägen einstimmig die heutigen Unternehmen ausgewählt. Eine solche Einmütigkeit zeugt von der unternehmerischen Qualität unserer diesjährigen Preisträger. Ein weiteres Qualitätsmerkmal, das im Übrigen in besonderer Weise für unseren Wirtschaftsstandort Rosenheim spricht: Alle Preisträger sind erfolgreiche Familienunternehmen.

Ich gratuliere herzlich der Autohaus Bernegger GmbH, der Drexler GmbH, der Rudolf Steinhauer e.K. und der Wolter Brot- und Feinbäckerei.

In der Begründung des Stadtrates zur Vergabeentscheidung heißt es:

„Alle vier Preisträger haben sich in hohem Maße um den Wirtschaftsstandort Rosenheim verdient gemacht. Als familiengeführte Unternehmen prägen sie die Marke Rosenheim durch ihre wirtschaftlichen Leistungen und tragen den Ruf der Stadt Rosenheim als wirtschaftsstarker Standort weit über die Grenzen der Region hinaus. Ihr Name und ihr Engagement sind eng mit Rosenheim verbunden“

Lassen Sie mich protokollarisch korrekt in alphabetischer Reihenfolge und in der gebotenen Kürze auf die ausgewählten Unternehmen und die Gründe für diese Vergabeentscheidung eingehen.

 

Bernegger und Auto:

Das sind seit 65 Jahren für die autoaffinen Rosenheimer fast bedeutungsgleiche Begriffe. Eine solche jahrzehntelange Symbiose war in der automobilen Geschichte unserer Stadt keineswegs angelegt.

Denn: „Das Auto ist eine vorübergehende Erscheinung. Ich glaube an das Pferd“.

Ob Kaiser Wilhelm II vor gut 120 Jahren diese steile These wirklich aufgestellt hat, ist historisch nicht geklärt. Hätte er es gesagt, wäre es der Beleg, dass auch deutsche Kaiser fehlbar waren. Denn unsere heutige Gesellschaft und unser wirtschaftlicher Wohlstand wären ohne die Möglichkeiten der individuellen Mobilität, die uns Autos und Lieferfahrzeuge bieten, schlichtweg undenkbar.

Aber so ein Fiat, ein Alfa, ein Lancia oder auch ein Jeep sind für viele von uns viel mehr als nur ein Fortbewegungsmittel. Manche jungen Wilden verbinden damit auch heute noch ein Statussymbol. Alfa-Fahrer schwärmen von Cuore Sportivo“.  peziell Cinquecento- und Abarth-Fahrer haben einfach puren Spaß am Fahren. Manche wollen am Samstagnachmittag ihr Gefährt geradezu liebevoll waschen. Fast alle von uns verbinden mit dem Auto Freiheit und Unabhängigkeit. Und selbst wenn wir über autonomes Fahren reden müssen, geht es am Ende um die Freude am Autofahren an sich und die Möglichkeit, als Fahrer selbst auch noch aktiv eingreifen zu können.

Seit 65 Jahren steht die Familie Bensegger für diese Liebe zum Auto und ist aus der hiesigen Unternehmenslandschaft nicht wegzudenken. „Leidenschaft ist unser Antrieb“: Diesen Slogan setzt nun bereits die dritte Generation der Familie um.

Dieses Motto gilt problemlos auch in der Zeit ökologisch korrekter E-Antriebe. Denn wer einmal die Beschleunigungskraft und das geräuschlose Gleiten eines solchen Fahrzeugs erlebt hat, kann auch dafür jenseits aller Diskussionen um Reichweiten und die Tauglichkeit des e-Autos als Massenverkehrsmittel eine durchaus nicht unerhebliche Leidenschaft entwickeln. Die Berneggers jedenfalls leben ihren Claim glaubwürdig und authentisch. Das Autohaus bildet zudem bedarfsgerecht aus und schafft Anreize für Fort- und Weiterbildung.

Sehr geehrte Familie Bernegger, stellvertretend die jetzige Geschäftsleitung mit Uschi Bernegger- Schneider und  Siegfried Bernegger junior:

Zur Verleihung des Wirtschaftspreises für 2019 der Stadt Rosenheim gratuliere ich Ihnen herzlich.

 

Mit dem nächsten Preisträger ehren wir ebenfalls ein original „Rosenheimer Gewächs“:

Mitten in Rosenheim gegründet, durch einen Umzug ins Gewerbegebiet Schwaig in den 90er Jahren weiter gewachsen, in 100 Jahren Firmengeschichte alle Höhen und Tiefen von Hyperinflation bis Wirtschaftswunder durchwandert und erfolgreich gemeistert:

Das ist die Drexler GmbH.

Wie mir gesagt wurde, hat das Unternehmen im letzten Jahr dieses Jahrhundert-Jubiläum selber ganz übersehen. Ein solches augenzwinkerndes Eingeständnis finde ich sehr sympathisch. Es gibt mir zudem die Gelegenheit, der Eigentümerfamilie und der Belegschaft heute auch im Namen des Stadtrates nachträglich herzlich zum 100-jährigen zu gratulieren.

Zu den Kernkompetenzen der Firma Drexler zählen Service, Reparatur und Verkauf von Elektromotoren, Pumpen und vieles mehr aus dem Bereich der elektrischen Antriebstechnik – egal ob Standardprodukt oder Spezialanfertigung. Auch die Fa. Drexler wird als Familienunternehmen von Markus Drexler bereits in dritter Generation geführt. Und damit weitere 100 Jahre Erfolgsgeschichte geschrieben werden können, steht die vierte Generation bereits in den Startlöchern.

Liebe Familie Drexler herzlichen Glückwunsch zum Rosenheimer Wirtschaftspreis 2019.

 

Rosenheim, meine Damen und Herren, ist ein gutes Pflaster für erfolgreiche Familienbetriebe. Denn auch das nächste Unternehmen, dessen Leistungen heute geehrt werden, fällt in diese Kategorie. Es arbeitet mit einem Produkt, das die Menschheit bereits vor rund 6.000 Jahren erfunden hat. Aus dem damaligen Steinzeitmesser hat sich eine für den Laien fast unüberschaubare Vielzahl an Werkzeugen entwickelt, deren Bezeichnungen kaum aussprechbar sind, die aber dem Handwerker von heute die Augen leuchten lassen: Drehmomentwerkzeuge, Entgratwerkzeuge, Maschinensägeblätter, Rohrabschneider, Schraubendreher-einsätze, Stehbolzenausdreher oder Umschaltknarren – all das und noch vieles mehr gibt es seit 1988 bei der Firma Rudolf Steinhauer.

Das Unternehmen ist mit der Kompetenz seiner 15 Mitarbeiter, der Auswahl an Werkzeugen und der Nähe zum Kunden ein geschätzter, professioneller Partner des Handwerks und der Industrie – weit über die Grenzen unserer Region hinaus sogar bis nach Fernost. Auch die Rudolf Steinhauer e.K. konnte im letzten Jahr ein Firmenjubiläum feiern: Das 30-Jährige. Und Ihr habt das auch wirklich gefeiert. Nachträglich auch im Namen unseres Stadtrats dazu meine herzlichsten Glückwünsche. Auch bei diesem Unternehmen stehen inzwischen drei Generationen verantwortlich für 30 Jahre Erfolgsgeschichte. Den Preis wird stellvertretend Philip Steinhauer entgegennehmen. Er hat erst letztes Jahr seine Ausbildung erfolgreich beendet. Inzwischen ist er fest ins Unternehmen integriert. Auf einen solchen Nachwuchs kann man stolz sein.

Liebe Familie Steinhauer, ich gratuliere Ihnen zum Wirtschaftspreis der Stadt Rosenheim 2019.

 

Wir ehren nun einen Preisträger, den man beim Gang über den Ludwigsplatz einfach nur am Duft erkennt: einem Duft von frisch gebackenem Brot, Brezen und Gebäck. Dem Rosenheimer sagt man gemeinhin nicht nach, ein besonders geduldiger Mensch zu sein. Aber beim Anstehen vor dem Ludwigsplatz 15 kann es der Rosenheimer auch mit den diszipliniertesten Engländern aufnehmen.

Lassen Sie mich dazu den tschechischen Literatur-Nobelpreisträger von 1984, Jaroslav Seifert, zitieren: „Der Geruch eines frischen Brotes ist der Duft aller Düfte. Es ist der Urduft unseres irdischen Lebens, der Duft der Harmonie, des Friedens und der Heimat“. Schöner lässt sich nicht beschreiben, was man erlebt, wenn man es nach geduldigem Warten in einer langen Schlange endlich geschafft hat, die heiligen Hallen der Wolter Brot- und Feinbäckerei betreten zu dürfen.

Im Jahr 2012 eröffneten Matthias Wolter und seine Ehefrau Janina Mayer die Brot- und Feinbäckerei. Was heute im Zeitalter von Großbäckereien und Aufbackfilialen als wirtschaftlich eigentlich nicht tragfähig erscheint, hat sich in den letzten sechs Jahren als ein wahrer Glücksfall für Rosenheim erwiesen. Die Bäckerei ist inzwischen längst kein Geheimtipp mehr, sondern eine gefragte Adresse zum Kauf besonderer Backwaren. Die Ansiedlung dieses Handwerkbetriebes ist ohne jeden Zweifel ein Gewinn für den gesamten Handelsstandort. Diese besondere Bäckerei mit ihren besonderen Produkten und ihrer ganz eigener Firmenphilosophie hat am Ludwigsplatz ihren idealen Standort gefunden. Eine Symbiose inmitten der Altstadt, die noch durch kleinteilige inhabergeführte Läden geprägt ist. Wolter ist ein nicht mehr wegzudenkender Teil dieses besonderen Flairs. Der mutige Schritt des Ehepaares Wolter/Mayer, hier zu investieren und ein durchaus gewagtes Geschäftsmodell auszuprobieren hat sich gelohnt.

Zum Wirtschaftspreis 2019 gratuliere ich auch im Namen des Stadtrates Herrn Matthias Wolter und seiner Ehefrau Janina Mayer und dem Unternehmen Wolter Brot- und Feinbäckerei.

Herzlichen Glückwunsch!